Die meisten Anleger suchen das Schnäppchen: eine gute Aktie, die gerade billig ist. Die Momentum-Strategie dreht diese Idee um. Statt auf gefallene Kurse zu setzen, kauft sie genau die Aktien, die ohnehin schon stark laufen – in der Erwartung, dass sie weiter steigen. Klingt erst mal widersinnig? In diesem Beitrag erkläre ich dir verständlich, wie die Momentum-Strategie funktioniert, warum sie wissenschaftlich erstaunlich gut belegt ist und welche Risiken du unbedingt kennen solltest.

Die Grundidee: „The trend is your friend“

Momentum bedeutet schlicht: Was sich bewegt, bleibt eine Weile in Bewegung. Auf die Börse übertragen heißt das, dass Aktien mit einer starken Kursentwicklung in den vergangenen Monaten dazu neigen, auch in den folgenden Monaten überdurchschnittlich abzuschneiden – und umgekehrt schwache Aktien oft schwach bleiben.

Die Momentum-Strategie nutzt genau das aus. Sie fragt nicht: „Ist diese Aktie billig oder teuer?" Sie fragt: „Welche Aktien zeigen gerade die stärkste relative Stärke?" Fundamentaldaten wie Gewinn, Umsatz oder Bewertung spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist allein die Kursentwicklung im Vergleich zu anderen Aktien.

Das ist der bewusste Gegenentwurf zum klassischen „günstig kaufen, teuer verkaufen". Momentum kauft, was bereits gestiegen ist – und verkauft, was nachlässt.

Warum funktioniert das überhaupt?

Die berechtigte Frage lautet: Wenn das so einfach wäre, würde es doch nicht funktionieren? Tatsächlich gehört Momentum aber zu den am besten dokumentierten Mustern der Finanzwissenschaft. Die wegweisende Studie von Jegadeesh und Titman (1993) zeigte, dass Aktien mit starker Vergangenheits-Performance über mittlere Zeiträume weiter outperformten. Spätere Untersuchungen fanden den Effekt über Jahrzehnte, über viele Länder und sogar über verschiedene Anlageklassen hinweg.

Erklärt wird das vor allem mit menschlichem Verhalten: Anleger reagieren oft zu langsam auf gute Nachrichten und steigen erst nach und nach ein. Herdenverhalten verstärkt laufende Trends zusätzlich. Genau diese systematische Trägheit macht sich Momentum zunutze.

Wichtig ist aber die ehrliche Einordnung: Eine dokumentierte Faktorprämie ist kein Geldautomat. In der Praxis fressen Transaktionskosten, Spreads, Steuern und häufiges Umschichten einen Teil des theoretischen Vorteils wieder auf.

So läuft eine Momentum-Strategie konkret ab

Im Kern besteht jede regelbasierte Momentum-Strategie aus vier Schritten:

  1. Universum festlegen. Du definierst, aus welchem Topf du auswählst – zum Beispiel die Aktien eines Index wie des DAX, des CDAX oder des Nasdaq 100.
  2. Ranking erstellen. Jede Aktie bekommt anhand ihrer Trendstärke eine Kennzahl (oft eine Kombination mehrerer Indikatoren) und wird in eine Rangliste sortiert – Platz 1 ist die stärkste Aktie.
  3. Top-Aktien halten. Du investierst in die besten N Aktien der Liste, meist ungefähr gleichgewichtet.
  4. Regelmäßig umschichten. In festen Abständen wird die Liste neu berechnet. Fällt eine Aktie aus den Top-Plätzen, wird sie verkauft; eine neue Aufsteigerin rückt nach.

Ein vereinfachtes Beispiel: Dein Universum sind 100 Aktien, du hältst die besten 10. Eine deiner Positionen rutscht beim nächsten Ranking von Platz 8 auf Platz 35 ab – sie fliegt raus, und die bestplatzierte Aktie, die du noch nicht hältst, kommt rein. Mehr Magie steckt nicht dahinter. Der Reiz liegt gerade in dieser Klarheit: Es gibt für jeden Schritt eine Regel, keine Bauchentscheidung.

Die Schattenseiten: Momentum ist alles andere als bequem

Hohe Renditechancen gibt es nie geschenkt. Bei Momentum zahlst du mit Nerven:

  • Hohe Schwankungen. Eine reine Momentum-Strategie schwankt deutlich stärker als der Gesamtmarkt.
  • Scharfe Einbrüche. Gerade an Wendepunkten kann es brutal werden. Historisch traten in Krisenphasen Rückgänge von über 50 % auf – sogenannte „Momentum-Crashs", wenn der Markt nach einem Absturz schlagartig dreht und ausgerechnet die zuvor stärksten Titel am härtesten fallen.
  • Zähe Phasen. Es gibt Jahre, in denen die Strategie schlechter läuft als ein simpler Indexfonds. Diese Durststrecken musst du aushalten können.
  • Kosten und Steuern. Weil regelmäßig umgeschichtet wird, fallen mehr Gebühren und steuerpflichtige Gewinne an als bei „kaufen und liegen lassen".
  • Disziplin. Das größte Risiko bist oft du selbst: eine Aktie nicht zu verkaufen, obwohl die Regel es verlangt, weil du „von ihr überzeugt" bist.

Für wen ist die Momentum-Strategie geeignet?

Passen könnte sie zu dir, wenn du nach einem klaren Regelwerk statt nach Bauchgefühl handeln willst, einen mittelfristigen Anlagehorizont (mindestens einige Monate) mitbringst und mit Schwankungen umgehen kannst, ohne in Panik zu verkaufen.

Eher nicht geeignet ist sie, wenn du dein gesamtes Vermögen darauf setzen willst, kurzfristig garantierte Erträge erwartest oder dir das ständige Auf und Ab den Schlaf raubt. In den meisten Fällen ist Momentum sinnvoller als ein Baustein neben einem breit gestreuten ETF-Depot – nicht als Ersatz dafür.

Das eigentliche Problem ist die Umsetzung

Die Strategie zu verstehen ist leicht. Sie über Jahre diszipliniert und emotionsfrei durchzuhalten – jede Woche die Ranglisten neu zu berechnen, konsequent zu verkaufen, nicht von den Regeln abzuweichen – daran scheitern die meisten. Genau hier hilft Automatisierung: Wenn ein Programm das Ranking berechnet und dir klare Kauf- und Verkaufssignale liefert, nimmt es dir die emotionale Komponente ab.

Wenn du die Momentum-Strategie regelbasiert ausprobieren möchtest, ohne jede Woche Hunderte Aktien per Hand zu sortieren, schau dir unser kostenloses Tool FinanzUnity Momentum an. Es rankt konfigurierbare Aktien-Universen nach drei wissenschaftlich fundierten Momentum-Kennzahlen, schickt dir die Signale per Telegram und lässt dich die Strategie vorab über beliebige Zeiträume historisch durchrechnen – inklusive deutscher Steuern.

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Fazit

Die Momentum-Strategie setzt nicht auf Schnäppchen, sondern auf Stärke: Sie kauft die Aktien mit den klarsten Aufwärtstrends und trennt sich konsequent von den Nachzüglern. Der zugrunde liegende Effekt ist wissenschaftlich breit belegt – aber er ist kein Selbstläufer. Hohe Schwankungen, scharfe Einbrüche und der ständige Kampf gegen die eigenen Emotionen gehören untrennbar dazu.

Wer das aushält und sich an ein klares Regelwerk hält, kann Momentum als spannenden, aktiven Baustein nutzen. Wer ruhig schlafen will, fährt mit einem breit gestreuten ETF meist besser. Wie immer gilt: Erst verstehen, dann handeln – und niemals mehr riskieren, als du verschmerzen kannst.