Einleitung
ETF-Investing klingt kinderleicht: Du wählst einen ETF aus, richtest einen Sparplan ein, und der Rest erledigt sich von selbst. Einfach, oder? Doch die Realität sieht oft anders aus. Viele Anleger – Anfänger und Profis gleichermaßen – machen Fehler, die sie buchstäblich Tausende oder sogar Zehntausende Euro kosten können.
Hier ein kleines Beispiel, um das zu verdeutlichen: Stell dir zwei ETF-Sparpläne vor. Beide laufen über 10 Jahre, beide mit derselben Sparrate und in einem identischen Marktumfeld. Am Ende gibt es jedoch eine Differenz von über 25.000 Euro. Der Grund? Ein einziger, grundlegender Fehler, den viele machen.
In diesem Guide zeige ich dir die häufigsten ETF-Fehler, die dich viel Geld kosten können – und wie du sie vermeidest. Ich erkläre dir nicht nur, warum diese Fehler entstehen, sondern gebe dir auch konkrete Tipps, wie du dein ETF-Investment optimieren kannst. Und als Bonus verrate ich dir meine persönliche Geheimwaffe, wie du in Krisenzeiten ruhig bleibst, während andere panisch verkaufen.
Fehler 1: Der Verführte – Vom Glanz der Hype-ETFs geblendet
Du bist bereit zu investieren und öffnest deinen Broker. Vor dir leuchten die „heißesten“ ETFs: Technologie, erneuerbare Energien, künstliche Intelligenz – die Zukunftsmärkte, die in aller Munde sind. Es klingt logisch, oder? Schließlich sind das Themen, die unsere Welt revolutionieren werden.
Aber hier liegt die Falle. Lass mich das an einem Beispiel verdeutlichen: Ende 2020 waren Clean Energy ETFs der Renner. Biden wurde US-Präsident, der Green Deal in Europa versprach milliardenschwere Investitionen, Solar- und Windenergieaktien explodierten. Wer ein Investment suchte, war überzeugt: „Das ist die Zukunft.“ Die Folge: Kurse stiegen um über 220 % in wenigen Monaten.
Doch dann kam das böse Erwachen: In den nächsten zwei Jahren verloren viele dieser ETFs 60 % oder mehr an Wert.
Warum? Weil der Hype längst eingepreist war. Sobald ein Thema in allen Medien ist und jeder davon spricht, haben professionelle Anleger längst ihre Gewinne realisiert.
Die Lösung:
Vermeide es, dein Portfolio ausschließlich mit Hype-ETFs zu bestücken. Die clevere Strategie heißt Core-Satellite: Investiere 90 % deines Kapitals in breit gestreute ETFs wie den MSCI World oder den MSCI ACWI. Diese ETFs decken alle Branchen und Regionen ab. Mit den restlichen 10 % kannst du in spannende Themen wie KI oder erneuerbare Energien investieren. So bist du im Hype dabei, riskierst aber nicht dein gesamtes Portfolio.
Fehler 2: Der Verkomplizierer – Zu viele ETFs im Depot
Ein einziger ETF? Das klingt doch zu simpel! Viele denken so und fangen an, zusätzliche ETFs ins Depot zu packen: Einen S&P 500, weil die US-Wirtschaft stark ist. Einen Dividenden-ETF, weil er regelmäßige Ausschüttungen bringt. Einen EuroStoxx, um Europa abzudecken. Und vielleicht noch einen Schwellenländer-ETF, weil das Wachstumspotenzial so groß ist.
Am Ende hast du sieben oder acht ETFs im Depot – und das Chaos beginnt.
Das Problem: Viele dieser ETFs überschneiden sich inhaltlich. Apple, Microsoft, Amazon und andere Giganten sind oft in mehreren Fonds hoch gewichtet. Das Ergebnis? Dein Portfolio ist nicht diversifiziert, sondern doppelt und dreifach belastet.
Die Lösung:
Ein einziger breit gestreuter ETF wie der MSCI ACWI oder der FTSE All-World reicht oft aus. Diese ETFs enthalten 2.000 bis 3.000 Unternehmen weltweit und decken alle wichtigen Märkte und Branchen ab. Weniger ist hier wirklich mehr – vor allem, wenn es um langfristigen Vermögensaufbau geht.
Fehler 3: Warten auf den perfekten Moment
„Der Markt ist auf Allzeithoch, ich warte lieber auf den nächsten Crash!“ – Ein Satz, der Anleger Millionen kostet.
Der Gedanke scheint vernünftig: Warum jetzt investieren, wenn die Kurse hoch sind? Doch hier ist die Realität: Keiner kann den Markt timen. Selbst Profis scheitern daran, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden.
Wusstest du: Verpasst du die besten 10 Börsentage in einem Zeitraum von 20 Jahren, halbiert sich deine Rendite. Ja, du hast richtig gelesen: Die Hälfte deiner Erträge geht verloren, nur weil du nicht investiert warst, als der Markt kurzfristig anzog.
Die Lösung:
Fang an, und zwar jetzt. Sparpläne sind hier dein bester Freund. Sie nehmen dir die Entscheidung ab, ob du bei hohen oder niedrigen Kursen investierst. Du investierst kontinuierlich – und profitierst langfristig.
Fehler 4: Der falsche ETF – Wer die Details übersieht, zahlt drauf
„Ich habe einen MSCI World, das passt schon!“ – Bist du dir sicher? Der Name allein sagt wenig aus. Es gibt zig Varianten: High Dividend, Quality, Momentum, ESG. Jeder ETF hat eine eigene Strategie – und nicht jede passt zu dir.
Ein High-Dividend-ETF fokussiert sich zum Beispiel auf Unternehmen mit hohen Dividenden. Das klingt attraktiv, bedeutet aber oft eine Übergewichtung in konservativen Branchen wie Tabak oder Öl. Du investierst also nicht mehr in die Weltwirtschaft, sondern in eine stark selektierte Auswahl.
Die Lösung:
Bevor du investierst, nimm dir Zeit und recherchiere:
- Welche Aktien sind im ETF enthalten?
- Wie werden sie gewichtet?
- Wird thesauriert oder ausgeschüttet?
- Wie hoch sind die Kosten?
Ein guter ETF ist nicht kompliziert, aber erfordert zu Beginn etwas Aufmerksamkeit.
Fehler 5: Sparrate zu niedrig – Der unterschätzte Hebel
Die drei Hebel deines Endkapitals sind: Rendite, Zeit und Sparrate. Die ersten beiden sind weitgehend vorgegeben. Doch die Sparrate liegt in deiner Hand.
Schon kleine Änderungen im Alltag können deine Sparrate spürbar erhöhen:
- Geh gezielt durch deine Ausgaben und kürze, was unnötig ist.
- Nutze Gehaltserhöhungen klug: Die Hälfte der Erhöhung geht in deine Sparrate, die andere kannst du für dich ausgeben.
Mit der richtigen Sparrate kannst du den Zinseszins-Effekt maximal ausreizen.
Fehler 6: Ständiger Depot-Check – Der größte Renditekiller
Moderne Broker-Apps wie Trade Republic oder Scalable Capital machen den Blick ins Depot einfach. Doch diese Einfachheit hat ihren Preis: Viele Anleger checken täglich ihre Investments – und werden nervös, wenn die Kurse schwanken.
Studien zeigen: Die besten Anleger sind oft die, die ihr Passwort vergessen haben. Warum? Weil sie keine emotionalen Entscheidungen treffen.
Die Lösung:
Schau seltener ins Depot. Einmal im Quartal oder halbjährlich reicht vollkommen. Lass deine Sparpläne laufen und vertraue darauf, dass der Markt langfristig steigt.
Fehler 7: Panik im Crash – Die ultimative Bewährungsprobe
Der härteste Test für dein Portfolio kommt, wenn der Markt crasht. Verluste von 30 % oder mehr sind schwer zu ertragen. Die Medien sprechen vom Untergang der Wirtschaft, und dein Portfolio blutet.
Hier passiert der größte Fehler: Viele verkaufen in Panik – und steigen später teurer wieder ein.
Die Lösung:
Plane für Krisen vor. Sag dir bewusst: Crashes gehören dazu. Sie sind keine Katastrophe, sondern bieten die besten Chancen, günstig nachzukaufen. Und der wichtigste Tipp: Schau während eines Crashes nicht in dein Depot. Lass die Sparpläne weiterlaufen und vertraue auf deine Strategie.
Fazit
ETF-Investing ist simpel – wenn du die größten Fehler vermeidest. Mit einer klaren Strategie, Geduld und Disziplin kannst du langfristig ein beeindruckendes Vermögen aufbauen.
Jetzt bist du dran: Welche ETF-Fehler hast du schon gemacht? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren! Und vergiss nicht: Der größte Fehler ist, diesen Artikel nicht mit Freunden zu teilen. 😉